Wie verändert sich der TSL-Wert

Mai 2026

Nachdem wir Sie bereits über das Scheibenmikrofon und den Hintergrund der TSL-Messung in einem Beitrag informiert haben, wollen wir in diesem Text noch etwas auf die Einflüsse auf den TSL und seiner Veränderung im Nacht- und Jahresverlauf eingehen. Wir können dafür auf Daten aus mehr als 10 Jahren Fledermauserfassung zurückgreifen. Aus diesen haben wir zufällig einige für die folgenden Auswertungen analysiert.

Umgetrieben haben uns Fragen, die momentan einmal wieder heiß diskutiert werden. Leider jedoch meist ohne wirklich auf die Evidenzen einzugehen und viel mehr basierend auf "Gefühl", "Ahnung" oder "Glaube". Daher werden wir Ihnen zeigen, wie sich zum Beispiel der TSL-Wert üblicherweise im Jahresverlauf ändert oder ob es Abends und Morgens ähnliche Messungen gibt. Aber auch die Abhängigkeit der Messung von der Temperatur interessiert uns.

TSL-Wert im Jahresverlauf

Der TSL-wert dient als Hilfsmittel einen Mikrofonausfall zu erkennen. Nicht stellt er eine exakte bioakustische dB-Messung dar. Dafür eignet sich der Standort und der autonome Betrieb nicht. Dennoch kann man bei einem funktionierendem Mikrofon und Signalgeber davon ausgehen, dass die Messung relativ zuverlässig die einwandfreie Funktion des Mikrofons anzeigt. Für sechs Geräte/Standorte aus unserem Datensatz (zufällig ausgewählt) ist hier der Verlauf des TSL-Werts als relative Abweichung in dB vom Normwert angezeigt. Gezeigt ist die Messung am Abend (blau) und die am Morgen (orange).

TSL-Wert im Jahresverlauf
Der TSL-Wert im Jahresverlauf aufgetragen als Abweichung in rel. dB vom Normwert. Dieser sollte für die Anwendung mit Probat innerhalb des Bereichs von -6 dB bis +6 dB bleiben. Gezeigt ist die Messung am Abend (blau) und die am Morgen (orange).

TSL-Wert am Abend und am Morgen

Schon seit vielen Jahren mißt der batcorder den TSL-Wert nicht nur Abends, zu Beginn der Erfassung, sondern auch Morgens mit Ende der Erfassung. So erhält man zu zwei Zeitpunkten einen Maßstab für die Mikrofonempfindlichkeit. Diese Messungen - so war unsere Annahme - sind abhängige Messungen und es sollte keine besondere Abweichung geben. Natürlich kann sich durch die deutlich geänderten Wetterbedingungen am Morgen der Wert etwas unterscheiden. Jedoch gingen wir davon aus, dass besonders hohe Unterschiede nur selten zum Beispiel bedingt durch starken Regen oder Sturm auftreten. Wie die folgende Abbildung zeigt, sind beide Messungen korreliert. Die Streuung der Messungen fällt je Standort unterschiedlich aus. In keinem Fall kommt es zu regelmässigen Ausreißern außerhalb des 12 dB umfassenden Gültigkeitsbereichs.

TSL-Wert Abends vs. Morgens
Für sechs unterschiedliche Geräte/Standorte ist der TSL-Wert vom Abend dem TSL-Wert vom Morgen gegenübergestellt. Deutlich zu erkennen ist die Korrelation beider Werte.

Um weiterhin beurteilen zu können, wie groß der Unterschied zwischen der abendlichen und morgendlichen Messung ausfällt, haben wir die Differenz der Werte gebildet. Die folgenden Plots zeigen, dass es auch hier unterschiedlich starke Ausprägung des Unterschieds gibt. Aber zumeist bleibt die Abweichung innerhalb von 3 dB oder weniger. Spannend ist dabei, dass die Differenz zumeist negativ ist. Dies bedeutet, der morgendliche Wert ist höher als der abendliche Wert, da wir den morgendlichen Wert vom abendlichen abgezogen haben.

Differenz TSL-Wert Abends vs. Morgens
Für sechs unterschiedliche Geräte/Standorte ist die Differenz des TSL-Wert vom Abend zum Morgen gezeigt.

Zur besseren Darstellung sind nochmals die selben Daten als Boxplot aufgetragen. So erkennt man die Lage der Unterschiede in Relation zu 0 dB, also kein Unterschied, besser.

Differenz TSL-Wert Abends vs. Morgens
Für sechs unterschiedliche Geräte/Standorte ist die Verteilung der Differenz des TSL-Wert vom Abend zum Morgen gezeigt.

TSL-Wert und Temperaturen

Im Hinblick auf die Schallausbreitung spielt die Temperatur eine gewisse Rolle. Daher wird manchmal angenommen, dass sich dies bei der TSL-Messung auswirkt. Da die Temperaturdaten bei der akustischen Erfassung gespeichert werden, lässt sich hier ein möglicher Zusammenhang leicht prüfen. Dazu haben wir den morgendlichen TSL-Wert mit der minimalen Temperatur des Tages, die in der Regel zeitlich mit dem Sonnenaufgang zusammenfällt, verglichen.

TSL-Wert am Morgen in Abhängigkeit der minimalen Tagestemperatur.
TSL-Wert am Morgen in Abhängigkeit der minimalen Tagestemperatur.

Zwei Standorte weisen eine leicht negative Korrelation mit der Temperatur auf, ein Standort eine leicht positive Korrelation und die anderen Standorte zeigen Messungen unabhängig von der Temperatur. Auch eine einfache Korrelation der beiden Parameter (lineare Regression) bestätigt, dass es keine direkte Abhängigkeit gibt. Das bedeutet, die Temperatur erklärt die Streuung der TSL-Messungen nicht.

TSL-Wert  und Temperatur korrelieren nicht
TSL-Wert und Temperatur korrelieren nicht

Fazit

Bei einer automatisierten Schalldruckpegel-Messung im Gondelbereich kann man nicht die Genauigkeit einer manuellen Messung erreichen. Es gibt Einflüsse auf die Messung, die sich nicht kontrollieren lassen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Temperatur. Nun gibt es die Idee, hier mittels Heizung des Mikrofons - oder besser der Mikrofonscheibe - dennoch kontrollierte Bedingungen zu schaffen. Unsere Daten zeigen jedoch eindeutig, dass die Temperatur scheinbar keinen belegbaren Einfluß auf die TSL-Messung hat. Ein weiteres Argument, dass für eine Heizung spricht ist, dass so Kondens verhindert wird. Würde Kondenswasser die Mikrofonempfindlichkeit verringern, dann wäre das natürlich eine sinnvolle Maßnahme. Kondensat schlägt sich vor allem in der zweiten Nachthälfte nieder. Jedoch ist der morgendliche Meßwerte nicht schlechter als der abendliche. Somit scheint wohl Kondens keinen nennenswerten Einfluß zu haben. Insofern wird durch solche Maßnahmen somit dem Anwender eine höhere Genauigkeit vorgegeben, die jedoch nicht erfüllt wird.